Das Versprechen
Mit dem Flipper One versucht das Team, vom Erfolg des Flipper Zero bei Bastlern zu einer professionellen Linux-Plattform zu wechseln. Auf Hacker News wird derzeit die Neuausrichtung des Projekts diskutiert: Eine modulare „Cyberdeck“-Architektur stellt Edge-KI und Netzwerkanalyse über den ursprünglichen „All-in-one“-Ansatz.
Unter der Haube
Die Kernarchitektur setzt nun auf zwei Prozessoren. Ein Rockchip RK3576 SoC mit 8GB RAM betreibt die Linux-Umgebung. Ein Raspberry Pi RP2350 MCU steuert Stromversorgung und Display unabhängig vom Hauptbetriebssystem (BleepingComputer, Mai 2026; GitHub).
Für die Konnektivität sorgen zwei 1Gbps-Ethernet-Ports und ein einzelner M.2-Steckplatz für SDR-, 5G- oder Wi-Fi-6E-Module (PCMag, Mai 2026). Diese Modularität ist eine deutliche Abkehr vom Flipper Zero. Anders als sein Vorgänger hat der Flipper One keine eingebauten Funkmodule für Sub-GHz, NFC oder RFID. Diese müssen als separate M.2-Erweiterungen gekauft werden (Reddit r/flipperzero).
Die Partnerschaft mit Collabora stellt sicher, dass die Treiber in den Mainline-Linux-Kernel einfließen. Der Zeitplan des Projekts bleibt jedoch ein großes Problem (XDA Developers, Mai 2026). Das Projekt ist seit 2020 in Entwicklung, und die jüngste Ankündigung ist ein „Aufruf zur Mithilfe“ statt einer Markteinführung (HN Thread).
Mehrere entscheidende Kennzahlen sind öffentlich weiterhin nicht verfügbar:
- Der endgültige Verkaufspreis für das Basisgerät und die nötigen Erweiterungsmodule.
- Ein verbindlicher Liefertermin, denn derzeit ist nur das „Developer Portal“ zugänglich.
- Verifizierte Benchmarks für die Leistung der RK3576-NPU beim Betrieb lokaler Modelle.
Unsere Einschätzung
Warten Sie damit, bis das Gerät tatsächlich im Lager liegt. Flipper Devices ist derzeit ein Opfer des „Second-System-Effekts“. Das Unternehmen will ein einfaches, funktionierendes Tool für 169 US-Dollar durch eine komplexe Linux-Workstation ersetzen, die einen teuren Stapel an Modulen braucht, um denselben Nutzen zu bieten. Auch die jüngste Kommunikation hat ihre menschliche Note verloren. Sie liest sich eher wie beaufsichtigter LLM-Output als wie das Update eines Ingenieurs (HN Comment). Es ist ein Lehrbuchbeispiel für ausufernden Projektumfang, der die Stammnutzer zu verprellen droht, bevor das erste Gerät überhaupt ausgeliefert wird.