Das Versprechen
Google behauptet, Gemini 2.5 habe die Krise im Posteingang gelöst: mit „branchenführender“ semantischer Filterung und verpflichtender Authentifizierung auf SMTP-Ebene. Tatsächlich ist eine Zustellung nach Klassen entstanden. Ausgefeilter, KI-generierter Spam kommt perfekt regelkonform an, während unabhängige Mailserver stillschweigend unterdrückt werden.
Unter der Haube
Im November 2025 ist Google dazu übergegangen, nicht konforme Absender (SPF/DKIM/DMARC) auf SMTP-Ebene grundsätzlich abzuweisen (Quelle: EmailFerret 2026 Analysis). Damit verschwand das klassische Spoofing. Zugleich entstand aber eine Lücke für Angreifer mit hohem Volumen, die über Googles eigene Infrastruktur die Reputationsfilter umgehen.
Ein großer Ausfall des Gmail-Spamfilters am 24. Januar 2026 zeigte, dass Sicherheitsprüfungen unter Last in Timeouts laufen können. Damit wurde ein „Noisy Neighbor“-Fehler in Googles Infrastruktur sichtbar (Quelle: Google Incident Report Feb 2026). In diesem Zeitraum erkannte die semantische Analyse von Gemini 2.5 massenhaft KI-generierte Kontaktmails nicht.
Seit einer neuen Funktion vom April 2026 können Gmail-Nutzer ihre primäre Adresse ändern. Angreifer nutzen das derzeit, um ihre Absenderreputation „zurückzusetzen“ (Quelle: Security Boulevard). Klassische Ratenbegrenzung und domainbasierte Blacklists verlieren damit gegen versierte Akteure weitgehend ihre Wirkung.
Ein Mensch greift Berichten zufolge erst ein, wenn „Einschreiben“ oder „Polizeiberichte“ an Google Legal gehen (Quelle: HN Thread April 16, 2026).
Wir wissen noch nicht, wie Google auf die konkrete Beschwerde der FSF zu massiven Spam-Kampagnen mit mehr als 10.000 E-Mails reagieren will. Auch das genaue Verhältnis von Mitarbeitenden zu Meldungen in Googles Trust-&-Safety-Abteilung für 2026 bleibt unveröffentlicht.
Unsere Einschätzung
Google hat das Ende des unabhängigen Mailservers unter dem Deckmantel der Sicherheit praktisch automatisiert. Die „Effective Inbox Placement“ von Gemini 2.5 wirkt als stiller Türsteher, der authentifiziertes Rauschen über differenzierte, nicht unternehmensgebundene Kommunikation stellt. Ein klassischer Walled-Garden-Zug: Wer nicht über einen großen Anbieter sendet, ist statistisch unsichtbar.