Unsere Einordnung
Die genannten Beispiele bilden zwei Gruppen. Wirtschaftskanzleien wie Hengeler Mueller, CMS, Goodwin oder Reed Smith dokumentieren Harvey oder Legora für dokumentenlastige Arbeit: Due Diligence, Vertragsprüfung, Zusammenfassungen, Erstentwürfe. Klägerkanzleien wie Childers Schlueter, Batta Fulkerson oder Geiger Legal Group dokumentieren Supio, EvenUp oder Eve für medizinische Unterlagen und Forderungsschreiben. Filevine erscheint nur als beobachteter Kunde ohne genannte KI-Aufgabe. Das sind Beispiele zur Prüfung, keine Rangfolge.
Welches Tool für welche Aufgabe?
| Ihre Aufgabe | Dokumentiertes Beispiel | Die Referenz dazu | Was sie belegt |
|---|---|---|---|
| Erstanalyse neuer Gesetze und Übersetzung | Mori Hamada | Anwälte von Mori Hamada & Matsumoto nutzen Harvey für eine erste Analyse neuer Gesetze in mehreren Rechtsordnungen, für Mandanteninformationen sowie zum Übersetzen und Zusammenfassen von Dokumenten. 5 | |
| Due Diligence in großen Datenräumen | Transaktionsteams von Hengeler Mueller nutzen Harvey Vault für große Datenräume; die Kundenstory nennt bis zu 95 % weniger Prüfzeit (Herstellerangabe). 2 | ||
| Vertragsprüfung und Issue-Listen | CMS-Anwälte analysieren Verträge mit Harvey, erhalten strukturierte Listen von Risiken und prüfen größere Dokumentenmengen. 6 | ||
| Zusammenfassungen, Risikoerkennung, Schriftsätze im Streit | Goodwin nutzt Legora für Zusammenfassungen, Risikoerkennung, Klauselextraktion und Erstentwürfe; im Prozess für Dokumentenanalyse und die Erstellung von Discovery-Anfragen. 7 | ||
| Kanzleiweiter Rollout mit Zertifizierung | Reed Smith führte Harvey von Beginn an kanzleiweit ein, ohne kleinen Piloten, und verlangt die KI-Zertifizierung aller Associates. 8 | ||
| Fragen an Krankenakten in Massenverfahren | Childers Schlueter befragt Supio in Camp-Lejeune-Fällen zu Exposition, Behandlung und Kausalität und erhält Antworten mit Verweisen auf die Quellen. 3 | ||
| Forderungsschreiben und Fallzuweisung | Batta Fulkerson Law Group nutzt EvenUp für Forderungsschreiben, zum Markieren fehlender Rechnungen und Unterlagen und für die Fallprüfung vor der Zuweisung. 4 | ||
| Forderungsschreiben, Discovery und Prozessunterstützung | Geiger Legal Group nutzt Eve für Forderungsschreiben, Discovery, Vernehmungsgliederungen und im laufenden Prozess für Gegenargumente aus Krankenakten. 9 |
Welche Arbeit dokumentieren Kanzleien tatsächlich mit juristischer KI?
Stand 2026-10-29 führt die Kategorie KI für Recht von usedby im Sektor Recht & Compliance 284 Unternehmen: 85 CONFIRMED durch eine Kundenstory, ein Zitat oder eine Pressemitteilung und 199 OBSERVED auf den Kundenseiten des Anbieters. Die Zahlen zeigen, wo öffentliche Einträge existieren. Sie messen weder Qualität noch Marktanteil noch Rendite.
Es zeichnen sich zwei Gruppen ab. Harvey beschreibt sich als Plattform für juristische Recherche, Entwurf, Vertragsanalyse und Due Diligence, Legora als kollaborative Plattform für Dokumentenprüfung, Recherche und Entwurf. Supio, EvenUp und Eve richten sich an die Klägerseite: Supio analysiert medizinische Unterlagen und erstellt Chronologien und Forderungsschreiben, EvenUp deckt den Fall von der Aufnahme bis zum Prozess ab, Eve ergänzt die Qualifizierung von Anrufen und nächtliche Aktenprüfungen. Entscheidend ist, ob Ihre Akten aus Verträgen und Datenräumen oder aus Krankenakten und Ansprüchen bestehen.
Welche Dokumentenarbeit geben große Kanzleien an Harvey und Legora?
Hengeler Mueller liefert das konkreteste Due-Diligence-Beispiel: Die Transaktionsteams nutzen Harvey Vault für große Datenräume, und die Kundenstory nennt bis zu 95 % weniger Zeit für die Dokumentenprüfung und bis zu 30 % bei Zusammenfassungen. Das sind Herstellerangaben aus dem Kontext einer einzelnen Kanzlei. Dieselbe Story führt die ausschließliche Datenverarbeitung in der EU als Teil der Vertrauensentscheidung an.
CMS dokumentiert drei Harvey-Abläufe: Vertragsprüfung mit strukturierten Risikolisten, Auswertung kuratierter Rechtsquellen und die Prüfung größerer Dokumentenmengen über Rechtsordnungen hinweg. Mori Hamada & Matsumoto nutzt es für eine erste Lektüre neuer Gesetze und für Übersetzungen, die Muttersprachler gegenprüfen. Gleiss Lutz setzt es für Erstentwürfe, Vertragsklauseln, Closing-Checklisten und Auszüge aus Unternehmensregistern ein. Goodwin dokumentiert Legora für Zusammenfassungen, Risikoerkennung, Klauselextraktion und Erstentwürfe sowie im Prozess für Discovery-Entwürfe und Anlagenverwaltung.
Diese Quellen trennen Harvey und Legora nicht: Beide erscheinen bei Zusammenfassung, Risikoerkennung und Entwurf. Redaktionelle Empfehlung, keine Herstellerzusage: Lassen Sie denselben Satz eigener Verträge und eines Ihrer Playbooks in beiden Tools in Word laufen. Harvey nennt Word, iManage, NetDocuments und SharePoint unter den Integrationen, Legora bietet ein Word-Add-in mit Playbooks; Ihr Dokumentenmanagementsystem ist daher das erste Prüfkriterium.
Wie haben diese Kanzleien die tatsächliche Nutzung erreicht?
Drei Rollouts, drei Formen. Reed Smith verzichtete auf einen kleinen Piloten und ging kanzleiweit vor, mit KI-Zertifizierung aller Associates; die Kanzlei nennt 700 Harvey-Nutzer pro Tag, 1.100 pro Woche und 1.400 pro Monat bei rund 1.800 Anwälten. Hengeler Mueller startete in sechs Wochen mit verpflichtendem Online-Training, Workshops in jedem Büro und einem internen Workflow-Wettbewerb und pflegt danach einen kurzen wöchentlichen Call und eine gemeinsame Bibliothek von Anwendungsfällen; die Kanzlei meldet 96-97 % Nutzung und rund 4.000 Prompts pro Tag. CMS führte einen zwölfmonatigen Piloten mit 300 Anwälten an echten Mandaten durch, bevor es ausrollte.
Nichts belegt, dass der breite Start dem vorgeschalteten Piloten überlegen ist. Übertragbar auf eine kleinere Kanzlei ist, was wenig kostet: eine benannte Person als Coach, eine gemeinsame Bibliothek erprobter Prompts und Workflows, eine Zertifizierungserwartung. Die Nutzungszahlen beschreiben Kanzleien mit Hunderten oder Tausenden Anwälten und eigenen Legal-Tech-Teams.
Wofür nutzen Personenschaden- und Massenverfahrenskanzleien Supio, EvenUp und Eve?
Childers Schlueter setzt Supio in Camp-Lejeune-Fällen ein: Anwälte stellen Fragen in natürlicher Sprache zu Exposition, Behandlung und Kausalität und erhalten Antworten mit Links zu den Quelldokumenten. Ein Partner sagt, das System finde in Krankenakten Hinweise, nach denen das Team nicht gesucht hätte; die koordinierende Paralegal beschreibt weniger Erschöpfung bei der Aktenprüfung. Zeit- oder Vergleichszahlen enthält die gelesene Quelle zu dieser Kanzlei nicht.
Batta Fulkerson Law Group, 40 Beschäftigte und rund 1.500 aktive Fälle, hatte nur einen Verfasser für Forderungsschreiben und einen Rückstau von 45 Tagen. Die Kanzlei nutzt die vollständigen Demands von EvenUp und die KI-generierten Express Demands für einfachere Fälle, dazu einen Fallassistenten für Zusammenfassungen und eine Ansicht fehlender Rechnungen und Behandlungslücken. Sie berichtet, ein Forderungsschreiben dauere statt eines Monats nun etwa zehn Minuten, die Prüfung zur Fallzuweisung sei 75 % schneller und in vier Monaten seien über 300 Schreiben versandt worden. Es sind eigene Ergebnisse der Kanzlei in einer Kundenstory des Anbieters.
Geiger Legal Group, als kleine Kanzlei beschrieben, arbeitet mit Litify und synchronisiert Unterlagen nachts mit Eve. Berichtet werden Forderungsschreiben, die in zehn Minuten statt an einem Tag prüfbereit sind, etwa die Hälfte der Discovery-Arbeit durch Eve und Gegenargumente aus Krankenakten binnen zehn Minuten, als die Verteidigung im Prozess eine neue Theorie vortrug. Mike Morse Law Firm ist CONFIRMED-Kunde von Eve; die öffentlichen Zitate betreffen die Führung (ein Chief AI Officer, Angst vor KI), keine genannte Aufgabe.
Die drei Tools decken dieselben sichtbaren Aufgaben ab, Prüfung von Krankenakten und Forderungsschreiben, und diese Quellen unterscheiden sie nicht. Testen Sie sie an einer abgeschlossenen Akte aus Ihrer Praxis. Prüfen Sie zuerst die Anbindung an Ihre Fallverwaltung: Supio nennt Litify, SmartAdvocate, Casepeer, MyCase, Smokeball und Jove; EvenUp nennt Litify, SmartAdvocate, CASEpeer, SharePoint, Google Drive und Dropbox. Prüfen Sie auch den Speicherort: Nach den Datenverarbeitungsbedingungen von Eve liegen Kundendaten zum Lesezeitpunkt in AWS-Regionen der USA.
Welchen Platz hat Filevine?
Filevine ist Fall- und Mandatsverwaltung mit LOIS, KI-Agenten, die in Word entwerfen, recherchieren und medizinische Chronologien erstellen. In diesem Sektor hat es nur OBSERVED-Einträge, etwa Kopka Law Group und Singleton Schreiber. Der Kopka-Eintrag beschreibt eine wachsende Kanzlei, die mehr als ein neues Verwaltungssystem brauchte: ein Plattformbedarf, keine dokumentierte KI-Aufgabe. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag ist verfügbar, der Anbieter nennt eine kostenlose Testversion oder einen kostenlosen Tarif; ein Preis ist nicht verifiziert.
Zu klären ist eine Architekturfrage: KI im System, das Ihre Mandate hält, oder eine getrennte Schicht, die daraus speist, wie bei Geiger Legal Group zwischen Litify und Eve. Diese Quellen entscheiden das nicht für Sie.
Was zeigen die deutschen und Schweizer Kanzleien im Bestand?
Vier Einträge sind CONFIRMED: CMS, Hengeler Mueller und Gleiss Lutz mit Harvey (mit dokumentierten Aufgaben, siehe oben) sowie Homburger (Schweiz) mit DeepJudge, einem Suchwerkzeug außerhalb unserer sechs Tools; ein M&A-Partner nennt dort eine Nutzung durch mehr als 80 % der Juristen. Homburger erscheint mit Harvey nur als OBSERVED. Görg, Graf von Westphalen und Seitz sind OBSERVED mit Legora, Wenger Vieli (Schweiz) OBSERVED mit DeepJudge: Der Anbieter zeigt sie als Kunden, eine Aufgabe ist nicht belegt. Für eine deutsche Kanzlei heißt das: Dokumentierte Abläufe stammen von den drei Harvey-Kanzleien, die Legora-Einträge zeigen Präsenz, keine Nutzung.
Was kann eine kleinere Kanzlei übernehmen, und was bleibt offen?
Am ehesten übertragbar sind die Beispiele kleinerer Klägerkanzleien, Batta Fulkerson und Geiger Legal Group, die einen bekannten Engpass beschreiben: Rückstau bei Forderungsschreiben und langsame Aktenprüfung. Bevor Sie einen dieser Abläufe übernehmen, prüfen Sie Ihre Aktenstruktur, die Anbindung an Ihre Fallverwaltung, den Speicherort der Daten und wer jeden Entwurf prüft. Aufwand, Umfang und Ergebnisse dieser Berichte sind die der jeweiligen Kanzlei und übertragen sich nicht automatisch. Ein unabhängiger Test fehlt, Preise sind unbekannt, außer der kostenlosen Testversion oder dem Tarif von Filevine.
Methodik und Grenzen
2026-10-29
Umfang: 284 Unternehmen, die auf usedby der Branche Recht & Compliance zugeordnet sind und einen öffentlichen Eintrag zu einem Tool der Kategorie KI für Recht haben. Jede Zahl auf dieser Seite gilt nur für diese Branche, nicht für den gesamten Kundenstamm der Tools. Die Unternehmensgröße wird nicht erfasst und nicht behauptet.
Diese datierte Momentaufnahme zählt die einzelnen Unternehmen mit öffentlichen Kundennachweisen. CONFIRMED steht für eine Fallstudie, ein namentliches Zitat oder eine Pressequelle, DECLARED für eine Angabe des Unternehmens selbst, OBSERVED für eine Kundenliste des Anbieters und SIGNAL für eine Stellenanzeige. Alle vier Stufen zählen, ihre Aussagekraft ist aber unterschiedlich. Entfernte Einträge und Einträge ohne Stufe sind ausgeschlossen. Die Beispiele sind eine begrenzte Auswahl, die in den letzten 90 Tagen geprüft wurde. Die Angaben der Anbieter stammen aus Quellen, die in den letzten 60 Tagen geprüft wurden. Die Abdeckung ist ungleichmäßig, und wo Belege fehlen, ist der Stand unbekannt. Diese Zahlen messen weder Marktanteile noch die Leistung eines Produkts. Erfassungsdaten sind keine Einführungsdaten.