Das Versprechen
Die Star Labs StarFighter 16 Zoll (Mark II) ist eine reine Linux-Workstation, die nach 3,5 Jahren Verzögerung Anfang 2026 endlich ausgeliefert wird. Sie richtet sich an „Open-Source-Puristen“ und kommt mit Coreboot-Firmware und einer abnehmbaren Webcam. Auf Hacker News sind die Meinungen derzeit geteilt: Die einen loben die Transparenz der Firmware, die anderen misstrauen der unsteten Lieferhistorie des Herstellers.
Unter der Haube
Die Hardware läuft mit Coreboot 26.04, dem aktuellen stabilen Firmware-Zweig (GitHub - StarLabsLtd/firmware, April 2026). Diese Implementierung unterstützt Measured Boot und erlaubt eine feine Einstellung der haptischen Intensität des Trackpads. Das IPS-Panel mit 3840x2400 Pixeln sticht hervor und liefert 625 Nits bei 120 Hz (offizielle Spezifikationen, 2026).
Bei der internen Erweiterbarkeit fällt die Bilanz gemischt aus. Es gibt zwar zwei M.2-2280-Steckplätze mit PCIe Gen 4x4, doch der LPDDR5X-7500-Arbeitsspeicher ist per BGA auf das Mainboard gelötet (Notebookcheck). Das widerspricht dem Anspruch an Reparierbarkeit, den man meist mit spezialisierten Linux-Anbietern verbindet, und verkürzt die Lebensdauer des Geräts für speicherintensive Backend-Workloads.
Praxistests unter Fedora Kinoite zeigen etwa 10 Stunden Akkulaufzeit bei üblicher Büroarbeit (FedoraProject Review, Feb. 2026). Frühe Käufer berichten jedoch von Verarbeitungsmängeln, konkret von „knarzenden“ haptischen Trackpads und elektrischen Störungen am Mikrofon (Reddit r/starlabs_computers, April 2026).
Noch wissen wir nicht, ob das haptische Trackpad, ein neues Bauteil dieser Revision, ein Jahr intensiver Nutzung übersteht. Unklar ist außerdem die Umsetzung der EU-Vorgabe zum Verkauf ohne Ladegerät: Nutzer berichten, dass sie das Netzteil beim Bestellvorgang nicht abwählen können.
Technische Bedenken:
- Die Garantie von 1 Jahr verstößt möglicherweise gegen die EU-Richtlinie 2019/771 (HN-Kommentar).
- Deutlicher Preisaufschlag für den Intel Core Ultra 9 285H gegenüber den AMD-Varianten.
- Verlöteter RAM verhindert jede Aufrüstung nach dem Kauf.
- Die Vorgeschichte mit mehrjährigen Verzögerungen macht künftige Hardware-Aktualisierungen unberechenbar.
- Widersprüchliche Dokumentation zwischen den Spezifikationen von Mark I und Mark II.
Unsere Einschätzung
Die StarFighter ist ein Nischengerät für Coreboot-Enthusiasten, die mehr Geduld als Vernunft haben. Die Firmware-Integration ist technisch solide, doch 42 Monate von der Ankündigung bis zur Auslieferung sind für jede professionelle Beschaffung ein deutliches Warnsignal. Eine Workstation mit verlötetem RAM ist 2026 schwer zu verkaufen, zumal wenn man die gemeldeten Qualitätsprobleme beim Trackpad bedenkt. Wenn Sie ein stabiles Linux-Gerät für den Produktiveinsatz brauchen, bleiben Sie bei einem Anbieter, der seinen Release-Zyklus nicht wie einen Spannungsthriller behandelt. Finger weg.