Das Versprechen
Die interaktive Karte „Every GPU That Mattered“ will dreißig Jahre Entwicklung der Grafikhardware dokumentieren, von 1996 bis zur aktuellen Blackwell-Ära im Jahr 2026. Sie wird auf sheets.works gehostet und macht derzeit in der Engineering-Community die Runde, weil sie UVPs und Leistungssprünge sehr detailliert visualisiert (Quelle: HN).
Unter der Haube
Die interaktive Karte „Every GPU That Mattered“ verfolgt dreißig Jahre Grafikhardware, enthält aber erhebliche technische Ungenauigkeiten zu architektonischen Meilensteinen und zur Spielekompatibilität (Quelle: HN). Die Oberfläche ist ausgefeilt, doch Hardware-Historiker haben mehrere Fehler gemeldet, die ihren Nutzen als Nachschlagewerk untergraben.
Die Visualisierung kombiniert die AMD RX 5700 XT fälschlich mit dem Spiel Control. Control diente der Branche zwar als wichtigstes Vorzeigespiel für Raytracing. Der 5700 XT fehlte aber die Hardwareunterstützung für RT, die für die zentralen Funktionen des Titels nötig ist (Quelle: HN, April 2026). Das ist ein grundlegendes Missverständnis der Fähigkeiten dieser Hardware.
Auch bei den Daten aus der Frühzeit leidet die historische Genauigkeit. Das Projekt schreibt der 3dfx Voodoo 1 den ersten hardwarebeschleunigten Start von Quake zu. Technische Archive bestätigen jedoch, dass die Rendition Vérité 1000 im Jahr 1996 als erste Karte vQuake ausführte (Quelle: Fabien Sanglard). 3dfx bleibt der Liebling der Nostalgiker, doch die Daten sollten die tatsächliche Reihenfolge der Veröffentlichungen abbilden.
Bei aktueller Hardware enthält das Projekt die RTX 5090 (Blackwell), die Anfang 2025 erschien. Die Karte hat 32 GB GDDR7 und liegt 50 % vor der RTX 5080. Das ist der größte Abstand zwischen einem Flaggschiff und der zweiten Leistungsklasse in der Geschichte der Branche (Quelle: Boxx/CG Channel, Dez. 2025).
Wir kennen jedoch die Normalisierungsmethodik nicht, mit der die Leistung über drei Jahrzehnte sich wandelnder APIs verglichen wird. Es fehlt jede Erklärung, wie eine Karte mit der Glide-API von 1997 gegen eine Blackwell-Einheit mit Vulkan im Jahr 2026 gewichtet wird. Zudem lässt der Datensatz die Preisschwankungen der „Scalper-Ära“ von 2021 bis 2024 aus und stützt sich auf UVPs, die es am tatsächlichen Markt nicht gab.
Unsere Einschätzung
Das ist ein Marketing-Asset, getarnt als Nachschlagewerk. Der Betreiber sheets.works ist eine Designagentur, die ausdrücklich damit wirbt, „visuelle Geschichten für Unternehmen zu bauen“. Das erklärt wohl, warum die Daten Ästhetik über technische Genauigkeit stellen (Quelle: sheets.works/data-viz/hire). Das Rechenzentrumssegment mit H100- und B200-Einheiten, das die Bewertung der Branche in den letzten drei Jahren bestimmt hat, fehlt vollständig. Als nostalgischer Desktop-Hintergrund taugt die Karte, doch nutzen Sie diese Diagramme nicht für echtes Benchmarking oder historische Recherche.