Das Versprechen
Windows 9x Subsystem for Linux (W9SL) ist eine Übersetzungsschicht für Syscalls. Sie führt unveränderte Linux-ELF-Binärdateien ohne Virtualisierung unter Windows 95, 98 und Me aus. Das Projekt ahmt die Architektur des ursprünglichen WSL1 nach und bildet Linux-Systemaufrufe direkt auf den hybriden 16/32-Bit-Kernel von Windows 9x/DOS ab (GitHub). Es findet Anklang bei Enthusiasten, die für Retro-Computing weniger Overhead brauchen als mit klassischen virtuellen Maschinen.
Unter der Haube
W9SL stammt von haileys, dem Entwickler von doslinux, und kommt ohne den ressourcenhungrigen, nebenher geladenen Linux-Kernel aus (HN Discussion). Weil das Projekt eine Übersetzungsschicht statt einer VM nutzt, kann alte Hardware einfache konsolenbasierte Linux-Binärdateien direkt ausführen.
Berichten zufolge gelten folgende Fähigkeiten und Grenzen:
* Unterstützt einfache konsolenbasierte Linux-Binärdateien, darunter Komponenten des LAMP-Stacks in Retro-Umgebungen (HN Comment).
* Unterscheidet sich von älteren Lösungen wie CoLinux, weil es ohne internen Linux-Kernel auskommt (HN Comment).
* Die Leistung hängt allein von der Rechenleistung der Hardware aus der Pentium-Ära ab.
Eine genaue Liste der unterstützten und nicht unterstützten Syscalls in der aktuellen Version ist zudem nicht öffentlich. Die Zuverlässigkeit bleibt experimentell und hängt stark von der jeweiligen Hardware-Konfiguration ab.
Unsere Einschätzung
W9SL ist technisch elegantes Engineering, sein Nutzen beschränkt sich aber streng auf den Hobbybereich. Solange Ihre Backend-Strategie nicht geschäftskritisch von einem Compaq Presario aus dem Jahr 1998 abhängt, hat dieses Projekt in Ihrer Produktionsumgebung nichts verloren. Es ist eine beeindruckende Architekturübung in Kernel-Kompatibilität. Ich empfehle es als Wochenendprojekt, sofern Sie gern dreißig Jahre alte Speichergrenzen debuggen. Für alles, was tatsächlich online bleiben muss, lassen Sie es links liegen.